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Die Stunde der Wahrheit kommt gewiss für jeden

Ob ersehnt, gesucht oder abgewehrt, die Wahrheit kommt ans Licht! Irgendwann ist es soweit! Und wenn sie ans Licht kommt, zerbricht die Dunkelheit. Und ja, das wollen wir! Und nein, das wolllen wir nicht! "Rühr nicht an der Vergangenheit! Der Schaden könnte unermesslich sein!"
Siddharta sieht die leidenden Menschen

Es war dieser Augenblick, der mich immer besonders getroffen hat. Siddharta verlässt zum ersten Mal sein behütetes Lebens im Palast, umgeben von Schönheit, Fülle, Luxus. Nichts fehlte ihm – anscheinend.

Doch, es fehlte etwas! Es fehlte der Blick über den Tellerrand! Sein Vater hatte ihn in den Palast gebannt! Und dann der Schock! Der Schock der Wirklichkeit! Siddharta sieht das Leid der Menschen, ihren Hunger, ihre Krankheit, ihre Armut! Und das beendet sein bisheriges Leben! Ein Scherbenhaufen bleibt zurück! Der Plan des Vaters ist gescheitert, Siddharta an das weltliche Leben eines Königs zu binden. Aus und vorbei! Wäre Siddharta von Kind auf mit dem Leid vertraut gewesen – mit der tatsächlichen Wirklichkeit, der Wahrheit des menschlichen Lebens, wie wäre dann sein Leben verlaufen?

Der schöne Schein, der verbirgt, was das Leben wirklich ist oder auch sein könnte: die vielen Lebenslügen, oft „Notlügen“ genannt, der Selbstbetrug – ‚Du machst dir doch etwas vor!‘, wird dann gesagt. Die vielen Sinnfragen, die unter vielen weltlichen Verbindlichkeiten begraben sind. Wir müssen funktionieren, damit unser – weltliches – Leben funktioniert! Ansonsten geht es bergab, und wir landen in der Gosse! Das ist unsere weltliche Wirklichkeit! Und jeder hat seine eigene Meinung dazu gebildet! Das genügt und ersetzt die Wahrheit! Das gibt den Halt, der für das Funktionieren notwendig ist!

Ja, es stimmt! Wenn die Wahrheit ans Licht kommt, hört das Funktionieren auf. Siddhartas Eltern sind nach dem Verlust ihres Sohnes wahrscheinlich zusammengebrochen. Sie hatten so viel dafür getan, ihn in ihrer Welt zu halten, doch die Stunde der Wahrheit kommt allüberall – sie kam auch in ihrem Leben!

Die Welt ist grausam! Wir Menschen haben sie zu einem grausamen Ort für Menschen und Tiere gemacht! Wie können wir damit leben? Siddharta konnte es nicht! Gottes Sohn in seinen himmlischen heiligen Höhen konnte es auch nicht. Er stieg hinab, wurde der Menschensohn Jesus, litt als Gottes Sohn Christus und opferte sich. Als Gottes Sohn war es ihm gegeben, das Böse und Grausame in uns zu vernichten.

Es war und ist keine kollektive Lösung! Jeder Mensch ist gefragt, ob er in seinem eigenen Leben die Erlösung durch Jesus Christus annehmen will. Doch Erlöstwerden ist kein Zuckerschlecken! Es stürzt uns tief in die Läuterung! In die Selbsterkenntnis! In die Reue! Selbstbildzertrümmerung, Zerschlagensein kommt vor der Erlösung! Es braucht immer einen Schock, wir brauchen immer einen Weckruf!

Denn die Wahrheit ist, dass wir das Böse nicht nur in der Welt sehen und nicht ertragen, sondern dass wir das Böse in uns selbst nicht sehen wollen, weil wir es nicht ertragen könnten. Wir müssen uns gut sprechen, brav werden unter den Augen der Eltern, alles, was nicht ins Bild passt, unterdrücken und als Schatten ins Abseits stellen. Wir sind dann Zwei – der oberflächliche Schein der Identität und der gefürchtete Schatten!

Das geschieht in jedem Menschen, das geschieht in der Familie, in jeder menschlichen Gruppe! Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen! Sprich nicht drüber! Geheimnisse allüberall! Rühr nicht an der Vergangenheit! Es könnte zur Büchse der Pandora werden!

Und es ist wohl wahr, der Mensch verkraftet die menschliche Grausamkeit nicht. Wir sprechen von notwendigen Verdrängungsmechanismen, wenn Erlebtes uns zerbrechen würde. Zum Schutz unserer Seele erfolgt Abspaltung. Es entsteht der Seelenraum eines ‚Nicht-Ich‘ außerhalb unserer Erinnerung, außerhalb unseres Bewusstseins. Wir sind dann Drei – unsere Identität, unser Schatten, das Abgespaltene! Das ist das Eingedrückte, das Weggedrückte, das Herausgedrückte! Die Seele steht also in vielerlei Hinsicht ständig unter Druck!

Aber auch hier muss die Stunde der Wahrheit kommen. Denn nur die Wahrheit führt zum Leben und ist deshalb der einzige Weg! Nehmen wir uns das Christus-Wort zu Herzen! Das, was uns zunächst rettet, macht uns langfristig krank, in der Seele, im Körper! Wir brauchen unser ganzes Leben, alle Erlebnisse, wir brauchen die ganze Wahrheit, um uns zum vollendeten Menschen zu entwickeln. Wir müssen uns mit zunehmender Reife auf die Suche machen nach uns selbst. Wir müssen die biographisch unerwünschten Schattenanteile wahrnehmen und bekennen! Wir müssen Verhaltensauffälligkeiten nachspüren, die Türen offenhalten, wenn das einst rettende Nicht-Ich Einlass begehrt! Wann geschieht das? Wie geschieht das? Leid muss uns drücken, so dass wir nicht mehr funktionieren können. Was fehlt mir? Was sehe ich nicht? Was spüre ich nicht?

Wir finden Antworten in unserer Familiengeschichte, die voller Lücken und Widersprüchlichkeiten ist. Wir fragen noch lebende Vorfahren, die gerne oder auch zögerlich oder abwehrend ihre Geschichte preisgeben. Und dies hätte man gehört und dass wurde gesagt … Dann wird die Stimme zurückhaltener, vorsichtiger, wir betreten den Raum der Familiengeheimnisse, der ja nicht dadurch verschwindet, dass betroffene Familienmitglieder ihn für geheim erklärt haben oder ihre Geheimnisse dann mit ins Grab nehmen. Familie ist ein Körper, der nicht nur in unseren Genen, sondern auch als Atmosphäre stetig präsent ist – je nach ‚Verbrechen‘ Jahrhunderte lang. Gene, Atmosphäre – und der Ätherkörper – sind unsere Datenbank, die wir durchforsten müssen, wollen wir uns selbst ganzheitlich finden.

Der Familienkörper offenbart allerdings nur Symptome, die von prägenden Ereignisse in früheren Leben verursacht sind. Diese Zusammenhänge werden offenbar, wenn wir uns dem Äthergedächtnis zuwenden. Dieses geschieht im ÄtherProzess!

Wir werden also zu Wahrheitssuchern! Wir werden es dann, wenn wir durchschauen, dass wir seelische und geistige Wesen sind, dass Krankheit und Leid uns zum Besten vom Himmel fallen.

Schlägt uns die Stunde der Wahrheit auch dann, wenn wir Seele und Geist weit von uns geschoben haben, uns an die Dunkelheit gewöhnt haben und zufrieden sind, nur Funktionierende zu sein? Ja, auch hier erleben Menschen Schicksalsschläge, Leid und Krankheit. Es wird hingenommen wie ‚Den einen triffts, den anderen nicht! Glück gehabt, Pech gehabt‘. Es bewirkt keinen Veränderungsdruck! Es bewirkt keine Sehnsucht nach dem Licht der Wahrheit!

In früheren Zeiten, wo ‚Segen und Fluch‘ als die wirksame Sprache Gottes galt, bedeutete Leid und Krankheit immer die Auswirkung von Sünde. Das Alte Testament in all seinen Büchern kreist um diese göttlichen Gesetze. Und man beeilte sich, den Segen Gottes zu erflehen und das sündige Leben zu beenden. Die Menschen wussten damals, die Stunde der Wahrheit schlug, wenn Gott das grausame und sündige Tun der Menschen nicht mehr ertragen konnte und wollte. „Zerreißt eure Kleider, bedeckt euch mit Asche, tuet Buße!“

Jesus Christus heilte die Menschen auf allen Ebenen, die ihn als Gottes Sohn erkannten und fortan nicht mehr sündigen konnten und wollten. Das gilt immer noch!

Die Wahrheit und ihre Sucher werden gefürchtet! Sie verursachen immer Scherbenhaufen! Allerdings nur dort, wo gebeugt und gebogen wurde und die Wahrheit nicht war! So ist es ein Segen, wenn die Stunde der Wahrheit schlägt!

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Karin Wegener